Warum Afrikanischer Wels? Wie haltet Ihr es mit dem Tierwohl?

Wir haben uns bewusst für den Afrikanischen Wels entschieden, weil eine hohe Besatzdichte für diesen Fisch ein Naturzustand ist. Während der Trockenzeit in Afrika schrumpft sein Lebensraum auf kleine Tümpel zusammen. Die Fische “kuscheln” dann eng beieinander, um ihre Haut feucht zu halten, zur Not können sie über ihre Lungenorgane sogar mehrere Tage lang Luft atmen. Erst wenn der Regen wieder einen See erzeugt, teilen die Tiere sich in Schwärme mit eigenen Revieren auf. Zu wenig Fische in den Becken zu halten führt dazu, dass sie versuchen, Reviere zu bilden, dafür aber nicht genug Platz ist – das erzeugt dann Stress. Eine hohe Besatzdichte hingegen entspannt die Fische, das ist wissenschaftlich nachgewiesen worden.

Insofern ist dies der einzige uns bekannte Fisch, bei dem Wirtschaftlichkeit und Tierwohl in Einklang stehen. Wir haben lange nach einem Tier gesucht, dass sich in Aquakultur wirklich wohl fühlt, um keinen Kompromiss in Hinblick auf Nachhaltigkeit und unsere Wertvorstellungen eingehen zu müssen. Nicht zuletzt ist der Afrikanische Wels einer der ganz wenigen Fische, dessen Verzehr sowohl beim WWF als auch bei Greenpeace bei der Zucht in Kreislaufanlagen auf “grün” steht.

Wo kann man Eure Produkte kaufen?

Wir verkaufen sowohl an Gastronomie als auch Endkunden. An unserem Produktionsstandort im Landschaftspark Herzberge kann man im Besucherzentrum Produkte verkosten, und auf stadtfarm.de erwerben. Außerdem gibt es sie regelmäßig in der Gastronomie – sprechen Sie Ihr Lieblingsrestaurant doch auf unsere Produkte an, dann wissen die Köche, dass sie gerne lokal gewachsene, reif geerntete Lebensmittel verzehren würden.

Schmeckt man den Unterschied zu konventionell erzeugten Lebensmitteln? Ist das auch wirklich gesund?

Na klar! Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Gemüse, das reif geerntet wird, viel mehr Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe beinhaltet – und damit gesünder ist. Außerdem schmeckt es viel besser, das kennt jeder von der eigenen Balkontomate.
Unsere Clara wiederum ist total lecker, mit festem rosa Fleisch, das sich sehr vielseitig zubereiten lässt. Ein paar Testimonials von Köchen aber auch Testkunden findet Ihr hier. Fisch schmeckt nur dann muffig, wenn die Wasserqualität nicht stimmt – das ist bei uns ausgeschlossen!

Welche Bakterien siedeln sich im Biofilter auf den Pellets an?

Bisher wurde noch kein Bakterium identifiziert, das Ammonium direkt bis hin zum Nitrat umwandeln könnte; vielmehr sind an der Oxidation zwei Arten beteiligt:
– Die Ammoniumoxidierer (Nitrosomonas) wandeln durch biochemische Oxidation (pH-Wert abhängig) über diverse Zwischenprodukte zu Nitrit.
– Die Nitritoxidierer (Nitrobacter) oxidieren das entstandene Nitrit weiter zum Endprodukt Nitrat. Ammonium und Nitrit wirken hierbei als Elektronendonatoren.

Was passiert, wenn Fische krank werden? Ist das schon passiert? Geht das wirklich ohne Antibiotika?

Wir arbeiten seit vielen Jahren mit diesem Fisch. Antibiotika mussten wir noch nie einsetzen, auch Krankheiten sind bei uns noch nie aufgetreten. Der Afrikanische Wels ist bislang nicht überzüchtet – er verfügt also noch über seinen natürlichen Genpool. Deswegen ist er sehr robust und resistent. Solange unser System sauberes Wasser liefert, bleiben die Fische gesund.

Wie wird gemessen, ob das Wasser gut gefiltert wird? Können zu viel Nitrit und Nitrat nicht schädlich für die Pflanzen sein?

Nitrit & Nitrat sind per se keine schädlichen Stoffe, es kommt auf die Mengen an. Unser Fokus ist daher auf dem Verhältnis von Fischen (Input) zu Pflanzen (Output). Das System ist so ausgelegt, dass es in allen Jahreszeiten stabil läuft. Wir messen zudem ständig alle wichtigen Werte und überwachen was passiert.

 

Welches Fischfutter kommt zum Einsatz?

Momentan füttern wir die Fische mit kommerziellem Fischfutter, das speziell für den Afrikanischen Wels entwickelt wurde.
Wir haben über mehrere Jahre eine vegetarische Alternative aus heimischen Pflanzen erarbeitet, die momentan in der Zulassung ist und schon bald zum Einsatz kommen soll.

Bekommt das Projekt Fördermittel?

TopFarmers ist eine GmbH und ist ein privates Unternehmen. Es bezieht keine Fördermittel.

Wie setzt sich das „Terra“-Substrat zusammen?

Unsere Pflanzen wachsen in einer mineralischen Erde, die sie mit naturnahen Wachstumsbedingungen versorgt.

Lohnt sich das für Privatpersonen im Garten?

Nein, kleine Anbauflächen lohnen sich nicht. Wir würden auch immer davon abraten, auf eigene Faust Tiere für den Verzehr zu halten – dann ist man Landwirt, das ist kein Hobby mehr. Möglich ist der Umbau eines Aquariums, auf dem z.B. Kräuter, Salate, Erdbeeren und Buschtomaten das Wasser filtern – mit Zierfischen wie Guppys oder Goldfischen. Als Bausatz gibt es das auch mit diesem Bestellformular bei uns zu erwerben.

 

Foto (c) Julia Schmidt Fotografie